4. Februar 2011 – Offener Brief an das Team der FRUIT LOGISTICA

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch bei der diesjährigen Fachmesse Fruit Logistica, die vom 9. bis 11.Februar in Berlin stattfindet, sind zahlreiche Anbieter aus Israel vertreten. Darunter zum Beispiel auch das bekannte Außenhandelsunternehmen Agrexco (Carmel Agrexco Agricultural Export Co. Ltd).

Unerwähnt bleibt, dass Agrexco auch 60-70% der landwirtschaftlichen Produkte, die in israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten angebaut werden, vertreibt. Dies bestätigte der damalige Generalmanager von Agrexco in Großbritannien, Amos Orr, während eines Gerichtsverfahrens im Jahre 2006. Und im Jahre 2010 stellte das Russell Tribunal über Palästina in London fest, dass die israelische Handelsgesellschaft Agrexco aktiv an der Missachtung der Rechte der Palästinenser in den besetzten Gebieten beteiligt ist. Zu einer internationalen Koalition gegen Agrexco gehören auch zivilgesellschaftliche Organisationen aus Palästina: Coalition contre Agrexco

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass der Vertrieb von Produkten aus besetzten Gebieten völkerrechtswidrig ist. Das Ursprungszertifikat “Israel” ist oft irreführend:

Viele Agrarprodukte aus Israel stammen in Wirklichkeit aus den Siedlungen, die Israel in illegal besetzten palästinensischen Gebieten unterhält. Die Besatzung ist völkerrechtswidrig, und genauso ist es der Transfer der eigenen Bevölkerung auf okkupiertes Territorium. Ein Beispiel: Die israelische Armee hat seit 1967 die meisten palästinensischen Einwohner im Jordan-Tal enteignet und vertrieben. Der Zugang zum Jordan-Tal wird den Palästinensern militärisch versperrt, während auf ihrem Boden Siedlungen ausschließlich für Juden wie Mekhora, Mehola, Argaman,Ro’I, Hamra, Gaddid u.a. errichtet werden, in denen man Kräuter, Gemüse und Datteln produziert. Auch hier ist Agrexco laut der bereits erwähnten Aussage von Herrn Orr beteiligt. Agrexco verkauft auch Datteln aus den israelischen Siedlungen im Jordantal.

Oft werden Produkte aus dem Jordan-Tal mit in Israel produzierten Produkten vermischt, damit sie von den Zollvergünstigungen, die Israel in Europa genießt, profitieren können. Auf den Ursprungszertifikaten steht “Israel”, obwohl die von Israel besetzte Westbank gemäß internationalem Recht nicht zu Israel gehört.

Die Enteignung von Land und Wasser der Palästinenser, die Zerstörung ihrer Häuser, ihrer Olivenhaine, ihrer Lebensgrundlagen sind nicht mit der Verteidigung der Existenz Israels zu rechtfertigen, sie brechen das Völkerrecht und missachten die Menschenrechte.

Wer sagt das?

Das EU-Parlament fordert schon seit Jahren die Aussetzung des Assoziations-Abkommens, das Israel besonders günstige Handelsbedingungen einräumt, denn dieses Abkommen ist an die Einhaltung der Menschenrechte gebunden. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg entschied am 25. 2. 2010, dass Produkte aus israelischen Siedlungen nicht zollfrei in die
Europäische Union eingeführt werden dürfen.

Wir weisen darauf hin, dass dieser Brief ein Offener Brief ist und auch an die Zollbehörde geht.

Mit besten Grüßen und herzlichem Dank für Ihr Interesse,

gez. Walid Chahrour für die BDS-Gruppe Berlin

4. Februar 2011

BDS steht für Boycott – Divestment – Sanctions.

Über diese von Organisationen der palästinensischen Zivilgesellschaft ausgehende und weltweit unterstützte gewaltlose Bewegung können Sie sich informieren unter:

www.bdsmovement.net sowie www.bds-kampagne.de

Wir sind zu erreichen unter: bdsmovement-Berlin@web.de

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