Offener Brief an die Verantwortlichen der ITB – 2011

Projektleitung ITB Berlin
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Offener Brief an die Verantwortlichen der ITB

Berlin, den 3. März 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

Angesichts der bevorstehenden Internationalen Tourismusbörse, die vom 9. bis zum 13.03.2011 in Berlin stattfindet, möchten wir Sie an die soziale Verantwortung erinnern, zu der Sie sich bekannt haben. Der Zusammenhang von Tourismus und Politik ist durch die demokratischen Bewegungen in den beiden bis vor kurzem diktatorisch regierten Urlaubsländern Tunesien und Ägypten noch einmal schlaglichtartig deutlich geworden.

Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass Sie Gefahr laufen, auf der diesjährigen ITB die menschen- und völkerrechtswidrige Apartheidpolitik der israelischen Regierung gegen die palästinensische Bevölkerung zu unterstützen. Dringend appellieren wir an Sie, Ihr eigenes Profil nicht im Fahrwasser der offiziellen israelische Public-Relations-Politik zu suchen, die durch ein aufpoliertes Israel-Image die internationale Öffentlichkeit von der Kolonial,- Besatzungs- und Siedlungspolitik ablenken will.

Wir möchten Sie bitten, auf der diesjährigen ITB keinen Stand des israelischen Tourismusministeriums zuzulassen und alle israelischen Veranstaltungen im Rahmen des „Gay & Lesbian Tourism“-Sektors auf der ITB 2011 abzusagen.

Zur Erläuterung:

Erstens: Das israelische Tourismusministerium (www.goisrael.com/Tourism_Eng/) ist maßgeblich an der oben erwähnten PR-Strategie beteiligt. Auf der Internetseite des israelischen Ministeriums für Tourismus findet sich beispielsweise eine Israel-Karte, in der die besetzten palästinensischen Gebiete als Teil Israels dargestellt werden. Das entspricht der israelischen Politik, die Palästinenserinnen und Palästinenser aus ihrem Land zu verdrängen. Es entspricht der israelischen Haltung, Palästina nicht anzuerkennen. Gemäß der kolonialistischen israelischen Sicht wird die palästinensische Stadt Hebron/El Khalil, die in den besetzten Gebieten liegt und in der die palästinensische Bevölkerung von besonders extremistischen Siedlern terrorisiert wird, auf der erwähnten Landkarte ohne Weiteres zu Israel gerechnet. (1).

Zweitens: Auf der gleichen Internetseite ist Jerusalem ein besonders prominentes Reiseziel. (2) Dabei bleibt unerwähnt, dass die Osthälfte der Stadt 1967 von israelischen Truppen besetzt und 1980 von Israel annektiert wurde. Während dies von fast keinem Staat der Welt anerkannt wird, sieht das israelische Tourismusministerium Jerusalem mit den Augen der Besatzungsmacht, ohne die Besatzung beim Namen zu nennen.

Israel arbeitet beharrlich, systematisch und unverhohlen an der ‚Judaisierung’ Jerusalems (3) Mit diesem offiziellen, ideologischen israelischen Begriff wird eine Politik der ethnischen Säuberung gegenüber der einheimischen palästinensischen Bevölkerung bezeichnet, die die demographische Realität der besetzten Stadt ändert und damit gegen die Vierte Genfer Konvention und das Völkerrecht verstößt.

Wir möchten Sie daher bitten, auf der diesjährigen ITB keinen Stand des israelischen Tourismusministeriums zuzulassen!

Drittens: soll im Rahmen „Gay & Lesbian Tourism“-Sektors auf der ITB 2011 die Ausstellung „Tel Aviv Gay Vibe – Free; Fun; Fabulous“ gezeigt werden. (4)
Israel will damit seine Kolonialpolitik und seine Besatzung der palästinensischen Bevölkerung „rosa einfärben“ („pink wash“), um die internationale Aufmerksamkeit auf ein erfundenes PR-Image zu lenken, das liberalen Menschen im Westen (auf den ersten Blick) gut gefällt, tatsächlich aber die Fakten verschleiert. Schon im Juni 2010 haben palästinensische „Queers“ die Lesbian und Gay Communities (LGTBQI) der ganzen Welt aufgefordert, die globale Kampagne für Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS) gegen Israel zu unterstützen bis Israel „sich vollständig in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht verhält, seine Besatzung, Kolonisierung und Apartheid(spolitik) beendet.“ (5)

Diesem Appell hat sich die Gruppe „Israeli Queers for Palestine“ im November 2010 angeschlossen. In dem Aufruf der „Israeli Queers“ aus Tel Aviv wird die weltweite BDS-Bewegung als „machtvolles, legitimes und dringend benötigtes Mittel“ bezeichnet, um „die Straflosigkeit zu beenden, durch deren Hilfe Israel fortfährt, das palästinensische Volk zu kolonisieren und zu unterdrücken.“ (6)

Wir schließen uns diesen Positionen und der Kritik an der Unterstützung der Pink Washing-Strategie der israelischen Regierung an (7). Wir möchten Sie daher bitten, alle israelischen Veranstaltungen im Rahmen des „Gay & Lesbian Tourism“-Sektors auf der ITB 2011 abzusagen.

Mit freundlichen Grüßen,

BDS Gruppe Berlin

Kontakt: bdsmovement-Berlin@web.de

(1) Map of Israel (abgerufen am 01.03.2011 )

(2) Discover Israel (abgerufen am 01.03.2011)

(3) s. z. B. UN Special Rapporteur, Prof. John Dugard, Human Rights Situation in Palestine and other Occupied Arab Territories (A/HRC/7/17, January 2008).

(4) ITB Berlin goes PINK

(5) Palestinian queers for BDS (abgerufen am 01.03.2011)

(6) Israeli queers for Palestine

(7) Alternative Information Center

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