9. November – Unsere Zeit eine Saat der Gerechtigkeit zu werden

Am 9. November 2021- dem  globalen Aktionstag für eine Welt ohne Mauern – #World WithoutWalls – startet  die Aktion “URGENT LETTERS”  mit der wir Überschneidungen unserer Kämpfe aufzeigen und Menschen zusammenbringen wollen, um die Mauern, die uns unterdrücken, immer brüchiger werden zu lassen und wir sie letztendlich zum Einsturz bringen!

Während Regierungen auf der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow, Schottland, zusammentreffen, bekräftigen wir lautstark, was Menschen und Bewegungen auf der ganzen Welt fordern: echte und dringende Lösungen, beginnend mit der Einsicht, dass die Klimakrise nicht ohne klimatische, soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit bewältigt werden kann.

Die Klimakrise ist das Ergebnis jahrhundertelanger kolonialer Eroberung und kapitalistischer Ausbeutung der Menschen und des Planeten, die es den Industrienationen und multinationalen Konzernen ermöglicht haben, Reichtum und Macht anzuhäufen und gleichzeitig ein katastrophales Ausmaß an Treibhausgasemissionen zu verursachen.

Anstatt dieses Unrecht zu korrigieren, versuchen sie, sich der Verantwortung zu entziehen, indem sie “falsche Lösungen” propagieren, die eine Welt der Ungleichheiten, der Unterdrückung, der Zerstörung und letztlich des Todes aufrechterhalten. Als Bewegungen, die sich in der Initiative für eine Welt ohne Mauern / World Without Walls zusammengeschlossen haben, prangern wir diese falschen Lösungen an.

Auf globaler Ebene sind die Reaktionen der Regierungen auf die Klimakrise nicht auf Klimagerechtigkeit ausgerichtet. Sie haben die bestehenden globalen Spaltungen vertieft und rechtfertigen noch mehr Mauern zum Schutz genau des Systems, das uns an den Rand des ökologischen Zusammenbruchs gebracht hat.

Seit Israel 2002 mit dem Bau seiner Apartheidmauer begonnen hat, haben Regime in der ganzen Welt – von den USA über Europa bis nach Afrika und Asien – zunehmend ihre eigenen physischen Mauern errichtet. Viele dieser Mauern wurden als Angriff auf Migrant*innen errichtet, um die Bewegungsfreiheit der Menschen zu unterbinden und Flüchtlingen ihre Grundrechte zu verweigern. Während immer mehr Menschen gezwungen sind, vor der durch die Klimakrise verursachten Zerstörung zu fliehen, entstehen Mauern als Scheinlösungen für die verheerenden Folgen des Umweltkollapses – Folgen, die die ärmsten und am stärksten marginalisierten Gemeinschaften in der ganzen Welt unverhältnismäßig stark zu spüren bekommen.

Insbesondere sieben Länder, die für fast die Hälfte der historischen Treibhausgasemissionen (THG) der Welt verantwortlich sind, geben zusammen mindestens doppelt so viel für Grenz- und Einwanderungskontrollen aus wie für die Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Eindämmung des Klimawandels und der Anpassung daran. Diese “Klimamauern” sind von zentraler Bedeutung für die Militarisierung von Gebieten und Grenzen zum Schutz von Privilegien und Macht gegenüber den Opfern unserer zerstörerischen Weltordnung. Der Militarismus ist nicht nur für die Verteidigung des Systems unverzichtbar, das unseren Planeten und das Leben auf ihm zerstört. Bis zu 15 % der gesamten CO2-Belastung durch den weltweiten Luftverkehr sind auf militärische Aktivitäten zurückzuführen. Die militärischen Treibhausgasemissionen sind dennoch nach wie vor in den ohnehin unzureichenden Reduktionszielen auffällig wenig berücksichtigt.

Militär und die Sicherheitsindustrie versuchen, aus Klimawandel und Vertreibung Kapital zu schlagen, anstatt Verantwortung für die Vermeidung der Zerstörung der Erde und der Menschheit zu übernehmen. Beides stellen sie als vorrangige Sicherheitsprobleme dar und setzen sich so erfolgreich für mehr Militär- und Sicherheitsausgaben und für die Militarisierung der Grenzen ein, was sich unter anderem in einem wahren Boom neuer Mauern und Zäunen ausdrückt.

Indigene Völker im gesamten globalen Süden sind nach wie vor der Hauptlast der kolonialen und imperialen Expansion ausgesetzt, die ihnen ihre Ressourcen raubt, ihre Umwelt zerstört und ihr Recht auf Selbstbestimmung verweigert. Staatlich unterstützte globale Konzerne plündern weiterhin ihr Land für fossile Brennstoffe oder verwandeln ihre natürlichen Ökosysteme in profitable Flächen, auf denen multinationale Unternehmen und ihre lokalen Verbündeten ihre Minen anlegen oder Agrarunternehmen Monokulturen auf abgeholztem Land anbauen können. Die Auswirkungen dieser unerbittlichen Kommerzialisierung von Land und Leben sind für uns alle spürbar, auch für marginalisierte städtische Gemeinschaften in aller Welt.

In zunehmendem Maße werden diese verheerenden Aktivitäten unter dem Vorwand des Klimaschutzes durchgeführt, so versuchen Unternehmen für fossile Brennstoffe und repressive Regime, ihre Profite grün zu färben. Der viel gepriesene Übergang zu erneuerbaren Energien im globalen Norden beruht auf dem nicht nachhaltigen Abbau von “Übergangsmineralien”, die in Technologien wie Solarzellen und Elektroautos verwendet werden. Er beruht auf Ausbeutung und endlosem Abbau und zerstört Gemeinschaften und die Umwelt auf der ganzen Welt. In der Westsahara baut Marokko Windparks auf gestohlenem Land und setzt damit die koloniale Besatzung unter dem Banner der “grünen Energie” fort. Ganz zu schweigen von den sogenannten “Megaprojekten” in Mexiko, die sowohl die zapatistischen Gemeinden als auch das Leben der indigenen Völker im Allgemeinen bedrohen oder von den rassistischen und kolonialen Kampagnen gegen die Mapuche-Tehuelche im Wallmapu-Gebiet sowohl in Argentinien als auch in Chile, um sie als innere Feinde abzustempeln und ihre Praktiken der Enteignung, Ausbeutung und des Todes zu rechtfertigen.

Die Baumpflanzung selbst ist zum Inbegriff einer “falschen Lösung” geworden.

Wir können den verheerenden Kohlenstoff-Fußabdruck, der auf nicht nachhaltige Wachstumsparadigmen und Landraub zurückzuführen ist, nicht dadurch ausgleichen, dass wir Bäume pflanzen oder einen ausgefeilteren Kohlenstoffhandel betreiben. Die Monokulturen von Eukalyptusbäumen auf abgeholztem Land im Amazonasgebiet oder der Ersatz einheimischer Bäume durch nicht einheimische Kiefern in zerstörten palästinensischen Dörfern durch den Jüdischen Nationalfonds sind Teil des Problems, nicht der Lösung.

Es ist weder grün noch nachhaltig, die Rechte der Menschen überall zu verletzen.

Wir fordern nicht nur unsere Rechte und unser Land ein, sondern auch den zutiefst symbolischen Akt des Baumpflanzens, der in der Geschichte so vieler Kämpfe und Kulturen verwurzelt ist. Wir, die Menschen, haben schon immer Bäume gepflanzt, die uns und die Erde heilen können und die uns wichtig sind.

Inspiriert von den Praktiken in Palästina, wo Bäume gepflanzt werden, um Land und Kultur zu bewahren, in den Slums von Nairobi, wo Bäume als Mahnmal für die durch Polizeibrutalität Getöteten gepflanzt werden und von alten Gedenkritualen in Lateinamerika und anderswo,

ermutigen wir Euch alle, sich uns anzuschließen und einen Baum zu pflanzen im Gedenken an einen dieser Menschen, die getötet wurden und ihr Leben geopfert haben, um den Planeten und die Menschen zu heilen.

Die Bäume, die wir pflanzen, verdecken nicht die Verbrechen, sondern enthüllen unsere Entschlossenheit, unsere Solidarität und unsere Fähigkeit, Gerechtigkeit zu schaffen. Sie werden uns an die Weisheit des Volkes der Lenca in Mesoamerika erinnern, dass diejenigen, die getötet wurden, nicht sterben, sondern die Saat der Gerechtigkeit tragen. Unsere Bäume lassen uns Hoffnung und Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit atmen.

Ihr könnt verschiedene Bäume pflanzen:

einen echten Gedenkbaum

 einen Gedenkbaum als Wandbild

einen virtuellen Gedenkbaum, der jemandem gewidmet ist, der sein Leben geopfert hat, um den Planeten und die Menschen zu heilen. Verwendet dabei Hashtags #MemorialTree und #WorldwithoutWalls, damit Eure Aktion mit anderen Aktionen verbunden wird)

Unsere Gedenkbäume

*Euer Gedenkbaum* für Hoffnung und Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit.
*Palästina* – Gedenkbaum zu Ehren des 13-jährigen Mohammed Da’da, der am 5. November während eines friedlichen Protestes im Bezirk Nablus von der israelischen Besatzung getötet wurde.
*Kolumbien*  – BDS Kolumbien hat in Bogotá einen Gedenkbaum zu Ehren von Jovita Osorio, die im März 2021 in Kolumbien getötet wurde, und Jawaher Abu Rahman, die im Januar 2011 in Palästina getötet wurde, gepflanzt. Beide starben, nachdem sie von Tränengas getroffen wurden, das von Combined Systems Inc. hergestellt wurde.
*Argentinien* – In Buenos Aires zieht eine “Free Palestine”-Karawane durch die Stadt und endet mit der Pflanzung eines Gedenkbaumes und mit einem Wandbild.

Schickt Bilder Eures Gedenkbaums an global@stopthewall.org

Unterzeichnet von zahlreichen Organisationen weltweit (am Ende der verlinkten Seite)

#MEMORIAL TREES – Seeds of Justice
Übersetzung Redaktion BDS-Kampagne.de